R.I.P. Carrie Fisher

„They will be missed“, lautet einer der Go-To-Sätze, wenn jemand Prominentes stirbt. Ich will nicht sagen, dass wir das sonst nicht so meinen – unabhängig davon, dass es natürlich immer für die Angehörigen und Freunde der Person gilt -, aber irgendwie ist es ja bei vielen unserer Helden so, dass die Zeit ihres wichtigsten Schaffens ein Bisschen zurückliegt.

Gott, werde ich Carrie Fisher vermissen.

Wann immer ich sie gesehen habe, im Film, im Interview, oder selbst wenn ich nur ihre Worte gelesen habe, ich hatte immer das breiteste Grinsen auf den Lippen. Carrie Fisher war eine niemals versiegende Quelle von Freude und Witz und guten Geschichten. Selbst als ich die letzten Tage ihre Gesundheitssituation verfolgt habe, musste ich ein Bisschen lächeln, als es darum ging, dass ihr bizarrer Hund an ihrer Seite war.

Für jemanden, der mit Depressionen und anderen psychischen Krankheiten lebt, hat Carrie Fisher das Leben besser gemacht. Sie sprach offen und mit Humor darüber, und zwar seit einer Zeit, in der das nicht ein Bisschen Tabu war, sondern großen Mut kostete. Sie und Stephen Fry und Robin Williams waren meine Helden und haben ehrlich dazu beigetragen, dass ich mich irgendwann endlich getraut habe, mir Hilfe zu suchen. Ich bin sicher, ich bin da nicht damit nicht allein.

Sie war genauso offen, wenn es um das Leben als Kind von Hollywood-Inzest ging, Drogenkonsum und wie man behandelt wird als Frau in Hollywood, auch als alte Frau in Hollywood. Sie hat als Skriptdoctor diverse Filme besser gemacht, als Schauspielerin sowieso. Ihr eigenes Schreiben war so witzig, ehrlich und klug wie sie, und es hat gemeinsam mit Nora Ephron und anderen den Weg geebnet für Tina Fey, Amy Poehler und Amy Schumer.

Und ich habe noch nichtmal angefangen, über Star Wars zu reden. Star Wars war ungefähr das zehntcoolste, das Carrie Fisher in ihrem Leben gemacht hat. Aber es war noch immer ziemlich cool, auch, wenn Carrie Fisher immer ein Bisschen zu gut für George Lucas war. Ihr Part in Force Awakens gehört zum Besten am Film, weil er Leia nonchalant dahin befördert, wo sie schon immer hingehört: Raus aus dem Prinzessinenkleid, als General Leia an der Spitze der Rebellion.

Carrie Fisher war cooler als wir alle zusammen, und war, natürlich, viel zu jung, zu wach und zu aktiv, um jetzt schon zu gehen. Ich bin dankbar für den Einfluss, den sie auf mein Leben und meine Arbeit hatte. Ich hoffe – und das geht besonders an die Nackenbartträger, die Angst wegen zuviel Frauen in Star Wars hatten -, jeder, der jetzt um sie trauert, weiß, dass wir ihr vielleicht am besten gedenken, wenn wir wenn wir weiter den Mund aufmachen, und offen über Sexismus, Sucht und psychische Krankheiten reden. Und uns dabei nicht zu ernst nehmen.

Carrie Fisher ertrank im Mondlicht, erstickt von ihrem eigenen BH.

 

She will be missed.

 

P.S: Helden sterben, und das ist scheiße. Aber 2016 geht auch vorbei, und nächstes Jahr wird besser, und wenn nicht, dann das darauf. Sucht euch Hilfe, wenn es euch schlecht geht.


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