Star Wars & Krieg, aka Wie dumm seid ihr eigentlich? aka UGH!

Test, test. Is this thing on?

Ich weiß nicht, wie viele von euch das wie jedes Meme sehr lustige Meme über Todd VanDerWerffs Review zu Rogue One mitbekommen haben. Es war sehr lustig. Hier:

Get it? Der dumme Kritiker hat gesagt, dass es in Rogue One zum ersten Mal in einem Star-Wars-Film wirklich um Krieg geht! Dabei ist Krieg doch im Titel! AHAHAHAHAHAHA!

Die Twitter-Trolle haben sich sehr gefreut über diesen erneuten faux pas von Vox Media, Vox Media, die sonst immer so fies Videospiele nicht gut spielen. Böse sind die! Und das hat man ja jetzt mal wieder gesehen!

Ähem…

Wie.

Dumm.

Seid ihr.

Eigentlich.

Glaubt ihr ernsthaft, dass es dasselbe ist, wenn ein Film das Wort „Krieg“ im Titel hat, und wenn es in diesem Film wirklich um Krieg geht? Ist euch bei „Der Rosenkrieg“ der Kopf geplatzt? Habt ihr nach „Die Unendliche Geschichte“ Homer-Simpson-Style Klage vorgebracht, weil das Buch gar nicht unendlich lang war? Glaubt ihr ernsthaft, Todd VanDerWerff ist all die Jahre nicht aufgefallen, dass die Filme „Star Wars“ heißen?

OK. Noch mal von vorne: Todd VanDerWerff hat sein Review zu Rogue One veröffentlicht. Dumme Internettrolle haben gejammert. Kluge Menschen haben es retweetet und bewiesen, dass sie offenbar doch nicht so klug sind.

Warum regt mich das so auf? Weil es nur der neuste – und, vielleicht, der bisher dümmste – Ausdruck vom vielleicht größten Problem ist, das Nerdkultur im Moment hat: Wir nehmen alles wörtlich, und zwar nur wörtlich.

Es ist dieselbe Art zu denken, die am Werk war, als sich Idioten beschwert haben, dass Mad Max: Fury Road „keine Story“ habe, dass Inside Out nicht originell sei; dieselbe Art zu denken, die zum Suchen nach „Plotlöchern“ führt; die uns glauben lässt, Nolan-Filme seien tiefgängig. Wir leben in einer Zeit, in der das Wort „literally“ nun offiziell auch die Bedeutung „not literally“ hat.

Sorry, Leute, aber das sind die absoluten Basics der Kulturkritik: unterscheiden können, worum es in einem Werk geht, und worum es geht. Das hättet ihr in der Schule lernen sollen . Und wenn ihr diese Basics nicht beherrscht, dann solltet ihr besser gepflegt die Fresse halten, wenn die Erwachsenen sich über Kunst unterhalten.

In Star Wars geht es um den Krieg der Rebellen gegen das Imperium. Aber in Star Wars ging es bisher nie um Krieg. Star Wars hatte nie etwas über Krieg zu sagen, Star Wars hat nie wirklich spürbar gemacht, was Krieg eigentlich bedeutet, welche Konsequenzen er hat. Das hat VanDerWerff gemeint. Das kann man anders sehen, wenn man zum Beispiel einen Nackenbart hat. Aber es muss doch klar sein, dass VanDerWerff darauf hinaus wollte?

Diesen Unterschied müsst ihr doch sehen, oder? Dass, sagen wir, Groundhog Day jedem von uns etwas zu sagen hat, und nicht nur denen, die literallygenau wie im Film in einer Zeitschleife gefangen sind?

Oder versteht ihr einfach nicht, was eine Überschrift ist? Weil: Das wäre noch schlimmer. Dass Überschriften immer reduktiv sind, dass sie in erster Linie dafür sorgen sollen, dass wir einen Moment stocken und nicht gleich die Überschrift des nächsten Artikels lesen? Dass wir uns fragen, wie meinen die das jetzt? Und findet ihr nicht, dass die Überschrift, „Dieser Film mit ‚War‘ im Titel ist der erste Film einer Reihe mit ‚War‘ im Titel, der sich mit ‚War’ beschäftigt“ die Aufgabe ziemlich gut erfüllt?

So oder so: Wir haben ein Problem, und wenn ihr über diese Überschrift gelacht habt, seid ihr ein Teil davon.

P.S: Das Review selbst ist übrigens ziemlich gut, müsste man aber lesen.


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