Eine Art unperformter Menschlichkeit (ein Essay über britische Panelshows?)

hier ein etwas albernes Video über die britische Panel-/Gameshow Only Connect. Ist nichts dolles, ist auch nicht so ganz schlüssig, glaub ich, aber ich hatte Lust darauf, es zu machen, und ich hab mir vorgenommen, dieses Jahr wieder mehr Bonus–Inhalte für euch zu produzieren, also dürft ihr jetzt an einer meiner seltsameren Obsessionen teilhaben.

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Real Heroes Have Day Jobs: Moonlighter & die Abenteuer des Freelancer-Lebens

Moonlighter ist eine weitere Sternstunde spielerischer Langeweile. Technisch gesehen eine Mischung aus Dungeon-Crawler und Lebens- und Wirtschaftssimulation, geht es in Wahrheit um die Herausforderungen des Lebens als Freelancer: Moonlighter ist eine clevere Satire darüber, was es kostet, kreativ zu sein – finanziell und emotional.

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Halloween (2018) ist zynisch und menschenfeindlich

Nachdem ich David Gordon Greens konfus betitelten Halloween gesehen habe – ein direktes Sequel zum ersten Teil, das alles danach, inklusive den noch von Carpenter verfassten Teil 2 ignoriert -, verstehe ich nicht nur besser denn je, warum diese Reihe, mit ihren mittlerweile, was, vier Timelines, ein solcher Clusterfuck ist; ich glaube auch, und das sage ich nicht ohne Zähneknirschen, dass viele von uns Rob Zombie eine Entschuldigung schulden.

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Bei Folge 6 musste ich weinen: Forever, & warum die besten Folgen von Binge-Serien oft Standalone sind

Serien wie Forever, Bojack Horseman oder Westworld sind Fortsetzungsgeschichten, in denen die erzählerische Einheit der “Episode” oft irrelevant scheint. Nur manchmal gibt es diese eine Folge: Standalone- oder Stuntepisoden, die in sich geschlossene, von der größeren Handlung mehr oder weniger unabhängige Geschichten erzählen, und in denen manchmal Rand- oder One-Off-Figuren zu Protagonisten werden. Warum solche Folgen sowohl ein direktes, erfreuliches Nebenprodukt des Binge-Fernsehens sind, als auch ein Hinweis auf seine künstlerischen Schwächen. 

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Succession & die Angst, Namen zu nennen

Succession ist eine gute Serie, die vielleicht nicht existieren sollte. Es überrascht mich immer wieder aufs Neue, wie gut der seltsame Mix aus formalen Ideen funktioniert, auch, wenn die Serie eine gewisse designed by committee-Note nie ganz loswird; aber ich komme auch nicht um das Gefühl herum, dass das bemerkenswerteste an der Serie ist, welche Geschichte sie nicht erzählt.

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TV’s New Sincerity: Michael Schur, David Foster Wallace & warum Brooklyn Nine-Nine eine der wichtigsten Serien im Fernsehen ist

The scariest possible thing that you can engage in is this very basic human connection where you say, “I feel this way,” or “I am scared,” and his worldview was: that’s what has to win; that’s how people should write; and that’s how people should connect with each other. The first time I read those words from him—and he said them a lot more eloquently than I just did—it was like someone had punched me in the face. I instantly realized so much of what was wrong with me as a writer was that I was trying to be cool and impress people and not seem like I cared about anything. It’s very hard to wear your heart on your sleeve as a writer, because we live in a world where your work is being instantly analyzed and picked apart by a lot of people, and a lot of those people are very cool, and they have a cool-guy agenda, and it’s a real fight to do it and not worry about what people are going to think of you. […] I don’t think [the creation of Leslie Knope] would have been possible without me reading David Foster Wallace.

(Michael Schur über David Foster Wallace)

Während der Berlinale vor ein paar Jahren stand ich, in einem der wenigen ruhigen Momente eines solchen Festivals, mit zwei Kritiker-Kollegen zusammen, und wir stellten fest, dass einer der beiden mit 30 Rock und Parks & Recreation zwei der bei hippen, jungen, werberelevanten Menschen wie uns zu diesem Zeitpunkt beliebtesten Comedyserien nicht kannte. Wir anderen beiden reagierten einstimmig entsetzt über seine Nichtkenntnis von 30 Rock, zuckten aber eher mit den Schultern bezüglich Parks & Rec: Parks & Rec, das war nett, das war sympathisch, das war witzig, das war sehenswert, aber 30 Rock, das war formal innovativ, das war wichtig; der Kollege möge in aller gebotenen Eile, koste es was es wolle, 30 Rock nachholen, aber Parks & Rec konnte er von uns aus erstmal liegen lassen, bis er mal ein paar Wochen krank war, oder es das Boxset mal sehr, sehr günstig auf dem Grabbeltisch bei Saturn gibt.

Ich weiß nicht, ob ihr in der kurzen Zeit zwischen der Absetzung und Wiederbelebung von Brooklyn Nine-Nine auf Twitter unterwegs wart. Brooklyn Nine-Nine, wie Parks & Rec, wurde co-kreiert von Michael Schur; wie in Parks & Rec geht es um eine Gruppe von Menschen im öffentlichen Dienst, diesmal in einer Polizeiwache in Brooklyn – Menschen, die durchaus etwas bewegen können, aber nun nicht unbedingt die Lenker der Welt sind; die Serie erzählt die Sorte Geschichten, die Workplace- oder Adopted-Family-Sitcoms nunmal erzählen: Die Figuren haben kleine Missverständnisse oder Meinungsverschiedenheiten, verlieben sich, helfen sich gegenseitig mit ihren Problemen; wie Parks & Rec ist Brooklyn Nine-Nine in dokumentarisch-anmutendem Stil inszeniert, mit viel Handkamera, Schwenks und Zooms anstatt Cuts, nur gibt es keine Talking Heads mehr und niemand guckt in die Kamera und macht dieses Gesicht, dass Adam Scott in Parks & Rec und vor ihm John Krasinski im ebenfalls unter Schurs Beteiligung entstandenen The Office immer gemacht haben.  Die Inszenierung soll hier vielleicht weniger suggerieren, dass die Kameras diegetisch existieren, als vielmehr durch die Begünstigung von langen, ungebrochenen Takes Improvisation fördern.

Kurz: Brooklyn Nine-Nine ist, wie Parks & Rec zuvor, oberflächlich wenig bemerkenswert; doch die bestürzten Reaktionen auf die Absetzung durch FOX und die ausgelassenen auf die Wiederbelebung durch NBC zeigten: Diese unscheinbare Show hat einen nicht von der Hand zuweisenden Einfluss auf ihr Publikum. Die Zuschauer empfinden eine starke, intensive, emotionale Bindung zu dieser Serie. Brooklyn Nine-Nine wird nicht geliebt, es wird gebraucht; Brooklyn Nine-Nine ist, unbestreitbar, wichtig. Aber es ist wichtig auf eine andere Art als Serien, die wir normalerweise als “wichtig” einstufen; eine Art, über die zu reden und schreiben deutlich schwieriger ist, weshalb Brooklyn Nine-Nine, obwohl stets wohlwollend besprochen, vor seiner Dann-Doch-Nicht-Absetzung vielleicht nicht die Aufmerksamkeit erhalten hat, die es verdient hätte.

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Die Menschheit unter intergalaktischer Quarantäne: Mike Bithells Quarantine Circular

Ein Science-Fiction-Trope, das mich schon lange verwirrt, ist die Tendenz, außerirdische Zivilisationen als der Menschheit überlegen darzustellen – technologisch, aber auch und vor allem moralisch: Wenn uns Außerirdische in der Science-Fiction besuchen, egal, ob sie gekommen sind, um uns auszurotten oder uns zu helfen, dann kommen sie fast immer von einer Zivilisation, die kleinliche, menschliche Probleme wie Hunger und Krieg (unter ihresgleichen) überwunden hat. Und nicht selten erfahren wir auch, dass dies, im Universum der Geschichte, der Normalfall zu sein scheint, dass von den vielen Zivilisationen des Universums nur die Menschheit nicht diesen Stand des technischen Fortschritts und der kollektiven Erleuchtung erreicht hat. Ich mein, ich verstehe schon, warum dieses Trope ein nützliches erzählerisches Werkzeug ist, warum es interessant sein kann, einen Kontrast, einen alternativen Entwurf zu unserer Zivilisation zu zeigen, ein Ideal auch, nach dem wir streben können – eine der wichtigsten Aufgaben der Science-Fiction ist eben, zu inspirieren, uns einen möglichen Weg für die Zukunft aufzuzeigen (und eine andere natürlich, zu hinterfragen, ob wir wirklich auf dem richtigen Weg sind).

Aber was mich irritiert an diesem Trope ist der seltsame Pessimismus, der ihm zugrunde liegt, eine Art von Pessimismus, die mir über “vielleicht ist der Weg, den wir derzeit gehen, nicht der richtige” hinauszugehen scheint. Die Allgegenwart, die Selbstverständlichkeit, die das Trope mittlerweile erreicht hat, und die in solchen Geschichten oft explizit herausgestellte Einzigartigkeit der Menschheit und ihrer Rückwärtsgewandtheit, hat etwas geradezu fatalistisches: Lassen wir die Frage, ob die Menschheit denn wirklich auf einem so falschen Weg ist, mal dahingestellt – wenn dem so ist, dann doch, weil eine Masse an Individuen in die Sorte feste Strukturen und Systeme zu zwängen, die das Konzept “Zivilisation” nunmal erfordert, ganz natürlich mit gewissen Kompromissen, Problemen und Fallen verbunden ist. Diese offenzulegen, uns der Kreisläufe bewusst zu machen, denen wir oft unbewusst folgen, scheint mir das eigentliche Ziel, das Sci-Fi-Autoren mit der Verwendung dieses Tropes verfolgen; aber der tatsächliche Effekt, den sie zumindest bei mir oft erreichen, die Botschaft, die ankommt, ist eine andere: Es sind nicht die festgefahrenen Muster und Systeme, die die Menschheit zurückhalten, sondern etwas tieferliegenderes, fundamentaleres: Konflikt, Rückwärtsgewandtheit, Kleingeistigkeit scheinen in diesen Geschichten, öfter als nicht, hard-coded in unsere DNA – warum sonst würden nur wir in toxische Kreisläufe und Muster verfallen? Warum sonst scheint es für den Rest der Galaxis so einfach, so selbstverständlich zu sein, ihre internen Probleme zu überwinden? Und ich mein: Das ist durchaus eine Perspektive, die man vertreten kann, wenn man sehr pessimistisch veranlagt ist; aber mir scheint sie in Konflikt zu stehen mit der Idee des Sci-Fi-Genres an sich – hinter guter Sci-Fi, egal ob utopisch, dystopisch oder irgendwas dazwischen, stand für mich immer der Glaube, dass wir zur Veränderung fähig sind, dass eine bessere Zukunft möglich ist. Geschichten, die dieses Trope nutzen, scheinen mir oft weniger vor einer möglichen Zukunft der Menschheit zu warnen, als nahezulegen, dass die Menschheit keine Zukunft hat.

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