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Saved For Later Februar 2018 (Patreon-Kolumne)

Saved For Later Februar 2018 (Patreon-Kolumne)

Saved for Later ist meine Kolumne exklusiv für Patreon-Unterstützer. Inspiriert von Todd VanDerWerffs Episodes-Newsletter und Nick Hornbys Kolumne Stuff I’ve Been Reading im Believer-Magazin, soll diese Kolumne Unterstützern einen Blick hinter die Kulissen geben, einen Eindruck davon, worüber ich im letzten Monat so nachgedacht habe, und was es (noch) nicht in einen Text oder ein Video geschafft hat. Idealerweise geht ihr aus der Nummer raus mit a) Hintergrundinfos zu meiner Arbeit und einem Vorgeschmack darauf, was euch in naher Zukunft so von mir erwartet, und b) der ein oder anderen Anschau-, Anspiel- oder Leseempfehlung.

Diesmal: Ein Bisschen selbstverliebtes Gejammer, und eine Filmempfehlung. Listen, they can’t all be gold.

Ich hatte noch nie einen richtigen Job, also vielleicht rede ich hier Unsinn – aber ich glaube, dass, sagen wir, ein Müllmann sich irgendwann mehr oder weniger sicher ist, dass er die Aufgaben eines Müllmanns halbwegs kompetent ausführen kann. Aber wenn es diesen Punkt auch für Autoren gibt, habe ich ihn noch nicht erreicht.

Ich habe letzten Monat schon darüber geschrieben: Ich vertraue meinen Fähigkeiten derzeit nicht (also, noch weniger als sonst). Diesen Monat bedeutete das: Ich habe den Großteil meiner Zeit damit verbracht, an zwei Essays zu arbeiten, nur, um meine Arbeit doch wieder zu löschen und bei null anzufangen – rinse and repeat.

Natürlich ist das ein kleiner Preis für das Privileg, so viel Zeit und Energie wie ich in Kreativarbeit stecken zu dürfen; dennoch ist es frustrierend, so viel Zeit zu investieren, ohne am Ende vorzeigbare Ergebnisse zu haben1…zumal ich so viele weitere schöne Themen im Hinterkopf hatte, zu denen ich wohl nicht mehr kommen werde..

So wenig ich es vermisse, einen 9-to-5-Job2…oder, wie es bei Ströer Media Brands heißen sollte: 7-to-7-Job. zu haben: Manchmal können Deadlines geradezu therapeutische Wirkung haben. Also habe ich mich gestern dazu gezwungen, über den Nachmittag einen kleinen Video-Essay zu Lady Bird zu skripten und aufzunehmen – das hat bei meinem Last-Jedi-Video ganz gut funktioniert, mal sehen, ob’s diesmal wieder klappt oder ich das Ergebnis doch kurz vor Veröffentlichen wieder lösche. Could go either way. Auf jeden Fall werde ich versuchen, das von nun an regelmäßiger zu tun – ich werde schon zu meinen größeren Essays zurückkehren, aber hin und wieder tut es mir gut, mich zu zwingen, einfach mal etwas fertig zu machen, egal, wie messy und ungeschliffen es ist.

Neben Lady Bird habe ich mit The Disaster Artist und Three Billboards Outside Ebbing, Missouri zwei weitere Oscar-Anwärter gesehen. Beide sind so mittel, was im Falle von The Disaster Artist eine Enttäuschung, im Falle von Three Billboards, wenn man so will, eine positive Überraschung ist. Zu The Disaster Artist hatte ich schon ein kleines Review geschrieben; mal sehen, wie Three Billboards bei den Oscars abschneidet, vielleicht mach ich dazu auch noch was.

Außerdem habe ich HBOs Nora-Ephron-Doku Everything is Copy gesehen. Der Film von Ephrons Sohn Jacob Bernstein begegnet, wenig überraschend, Ephron und ihrem Werk nur bedingt kritisch; er ist schamlos persönlich: Bernstein sieht sich selbst als Teil der Geschichte, im Film geht es genauso sehr um seine Beziehung zu seiner Mutter wie um ihr Werk. Der Film ist also nicht die definitive, kritische Nora-Ephron-Biographie – aber es ist ein Film, der Ephron wohl gefallen hätte. Das titelgebende Motto, everything is copy durchzieht ihr gesamtes Werk: Alles ist Material – in Ephrons Journalismus und Essays ist sie aktiver Teilnehmer statt objektiver Beobachter, und offenbart auch intimste Details ihres Lebens, wenn sie der Geschichte dienen; für ihre Filme fand sie nicht nur in ihrem Leben, sondern auch in dem ihrer Freunde und Familie Material, nicht immer mit deren Einverständnis. Everything is Copy ist tendenziös, subjektiv, unvollständig – aber wer Nora-Ephron-Fan genug ist, um eine Doku über sie zu schauen, dürfte es auch begrüßen, wenn diese Doku in Ephrons künstlerische Fußstapfen tritt.

Anyway: Entschuldigung für einen weiteren stillen Monat; ich kann nicht versprechen, dass es diesen Monat anders wird – meine Beziehung zu meiner Arbeit, mein Vertrauen in mein Können sind derzeit schlicht zu strapaziert. In den nächsten Tagen erwartet euch vielleicht mein Lady-Bird-Essay, vielleicht auch nicht, und dann mache ich mich wieder an die Arbeit an meinen größeren Projekten, und irgendwann gibt es hoffentlich das Ergebnis zu sehen.

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