5000 Wörter über die Uncannyness von Ready Player One

5000 Wörter über die Uncannyness von Ready Player One

1 – Satire (oder: Zur Verteidigung von Ready Player One? Vielleicht?)

YouTuber HBomberguy hat vor kurzem auf Twitter und Curious Cat eine etwas seltsame, aber faszinierende Idee geäußert: Er vertrat die Position, dass 300, der Film von Zack Snyder wie die Comic-Vorlage von Frank Miller, als Satire über faschistische Systeme und faschistische Propaganda gelesen werden kann:

The comic’s inaccuracies because of historical falsehood, exaggerations because it’s playing to how we as a culture remember Sparta, and its completely fantastical fabrications for the sake of fiction are telling about the makeup of Miller’s support for those ideas. Sparta, as Miller thinks of it, can only truly thrive in the maddening version of the world he wrote for it, and that world does not exist. That it ends as a story told by a propagandist, supposedly to make a point about the beauty of stories of heroism, actually ends up nodding to the more fundamental truth that the entire comic is a lie the whole time, a lie Miller canonises and lionises because he is doing it to you himself at that very moment.

Dass die Intention von Miller, einem, nun, Faschisten, wohl eine andere war, spiele letztlich keine Rolle. Im Laufe der folgenden Diskussion forderten Leser HBomb immer weiter heraus, und natürlich endete das ganze da, wo es enden musste:

If you wanted to write a satire of Mein Kampf, you would ultimately merely be writing a very similar book, but with the internal contradictions made just slightly more glaring.

HBombs YouTube-Kollegin und Freundin Lindsay Ellis antwortete auf Twitter knapp:

This is a bad take, Harry. Thought provoking. But bad.

Ellis argumentierte später noch differenzierter gegen HBombs Idee, und ich empfehle euch, ihre weiteren Tweets zu lesen, aber diese erste Antwort fasst meine Reaktion auf diesen, ähem, Take eigentlich schon ganz gut zusammen: Er fühlt sich, irgendwie, falsch an; aber er regt zum Nachdenken an, und es ist sehr, sehr schwer, echte Argumente gegen ihn zu finden. Das Schlagwort “Satire” wird heutzutage oft missbraucht – ich denke dabei unweigerlich an Cinema Sins, die ihre humor- und kunstfeindliche Idiotie gerne damit verteidigen, es sei ja doch alles nur Satire; und mit HBombs Argumentation könnte man so manch widerliches Gedankengut verteidigen, sogar solches, das noch ein ganz, ganz, ganz kleines Bisschen schlimmer ist als Cinema Sins: Mein Kampf.

Aber die Annahmen, von denen HBomb ausgeht, sind eigentlich schwer zu bestreiten: Dass die Intentention des Autors nicht das letzte Wort in der Rezeption seines Werkes ist, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Und wir wissen, dass es in die andere Richtung durchaus funktioniert: Man kann keine Satire machen, die deutlich genug ist, um nicht von Vertretern von genau dem Gedankengut umarmt zu werden, über das man sich eigentlich lustig machen wollte – es gibt Faschisten, die Starship Troopers geil finden.

Was ich sagen will: Hätte ich unendlich viel Geld, absolute künstlerische Freiheit, und das Talent von Steven Spielberg, und wollte ich einen satirischen Film über die schlimmsten Auswüchse von Geek- und Gamerkultur machen, sähe das Ergebnis Ready Player One sehr ähnlich. Ich mein, wenn Steven Spielberg mich gefragt hätte, ob sein Film als eine solche Satire funktioniert, hätte ich vielleicht sogar gesagt: Geht’s vielleicht ein Bisschen subtiler, Steve? Es ist ein Film darüber, wie die reale Welt zugrunde geht, weil wir lieber all unsere Zeit in unserem albernen Virtual-Reality-MMO verbringen anstatt uns um echte Probleme zu kümmern – Hauptfigur Wade Watts (gespielt von jemandem, der aussieht, als hätten die McElroys versucht, Ansel Elgort nachzubauen) sagt ganz am Anfang tatsächlich sowas wie I was born after people stopped trying to fix their problems; ein Film, in dem unsere Helden einen bösen Konzern bekämpfen, um das Produkt eines anderen, viel größeren Konzerns zu retten…

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