Update Januar 2019

Liebe Unterstützer,

ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, euch wieder etwas regelmäßiger und ausführlicher auf dem Laufenden zu halten – woran ich gerade arbeite, welche halb-ausgereiften Ideen ich noch so habe – und so vielleicht auch einen Platz für Feedback und Wünsche zu schaffen.1Ich habe auch ein paar Ideen für, sagen wir, ausgereiftere Systeme, um euch über mögliche Themen mitbestimmen zu lassen, aber die zu implementieren, macht mit so wenigen Unterstützern noch wenig Sinn. Also, ähh, das mach ich jetzt.

Ich arbeite derzeit an ein paar größeren Video-Projekten: ein Essay über die „Crunch“-Debatte in der Videospielwelt, bzw. eher darüber, warum wir diese Debatte vielleicht nicht ganz konsequent führen, warum „Crunch“ – die Periode teils extremer Überstunden, die Entwicklerteams oft gegen Ende der Entwicklung eines Spiels leisten (müssen) – nur ein Symptom einer viel größeren, komplexeren Krankheit ist, die nicht nur die Videospielbranche betrifft; einer über „Millennials“, oder über das Bild dieser Generation, das Medien und Kultur zeichnen, und über ein paar Stücke Popkultur aus den letzten paar Jahren, die versuchen, dieses Bild zu korrigieren; und einer über „Incels“ und wie sie fast die richtige Idee haben, wäre da nicht, nun, die furchtbare Frauenfeindlichkeit, der Unwillen zur Selbstkritik und der generelle Hass in alle Richtungen, in den diese, ähem, Bewegung ihre, ähem, Botschaft zu verpacken entscheidet.

Für all diese Themen steht noch eine Menge Recherche an, bevor ich über das erste grobe Outline und ein paar Schlüsselabsätze hinaus mit dem Skript anfangen kann – gerade arbeite ich mich durch eine Reihe von deprimierenden Büchern über Arbeitsbedingungen im Spätkapitalismus und so. Dauert also alles noch was.

Außerdem hab ich die vage Idee, etwas zum Konzept „Joe Rogan“ zu machen. Rogan, falls ihr das Glück habt, es nicht zu wissen, ist ein Ex-Martial-Artist (?) und behaupteter Comedian, der seinen lange Zeit in erster Linie Marihuana-zentrierten Podcast in den letzten Jahren als eine Art Einstiegs-Droge2Wie Marihuana halt, Hashtag JustSayNo, amiright? für die Alt-Right etabliert hat. Ich glaube, es lohnt sich, sich mit der „Joe Rogan Experience“ zu beschäftigen, denn es ist ein ganz interessantes Cautionary-Tale über die gefährliche „Both Sides“-Rhetorik der Neuen Rechten: Rogan ist jetzt an sich, glaube ich, kein Nazi, er ist nur nicht kompetent genug als Interviewer, die Aussagen der Nazis, die er regelmäßig in seine Show einlädt, wirklich herauszufordern, nicht klug genug, ihr Narrativ zu durchschauen: Die Idee, dass „kritisches Denken“ bedeutet, sich unter keinen Umständen mit irgendeiner Ideologie gemein zu machen, hilft am Ende selbstverständlich der Ideologie, die versucht, den Status Quo aufrecht zu erhalten.

Anyway, speaking of „deprimierende Recherchen“, ich schaue derzeit sehr viele Folgen von Joe Rogans Podcast auf YouTube, und es ist faszinierend auf die Art, auf die es faszinierend sein muss, seinem eigenen Körper dabei zuzusehen, wie er verfault, wenn man diese eine Krankheit hat, bei der das passiert, während man noch am Leben ist.3Der klassische „Autounfall“-Vergleich schien mir hier nicht treffend, denn Autounfälle gehen ja doch meistens recht schnell. Jede Folge von Rogans Podcast ist 2 1/2 bis 3 Stunden lang5

Ich weiß noch nicht, ob und wie ich das am Ende in eine große, allgemeine These für einen einzelnen Essay verpacken werde, meine derzeitige Idee ist, mich mit ein paar besonders bizarren Episoden in kleineren Videos für euch Unterstützer zu beschäftigen, und dann irgendwann zu gucken, ob ich daraus dann was halbwegs verdauliches für die Allgemeinheit schneiden kann, aber, ähhh, erwartet das jetzt auch nicht zu bald, ist erstmal nur so eine Idee.

Dass diese Themen eher, sagen wir, ideenfokussiert sind, ist ein Bisschen by design: Ich bin nicht unzufrieden mit meinem letzten großen Essay von letztem Jahr, zu Sharp Objects, allerdings hat es mir nicht so wahnsinnig viel Spaß gemacht, Monate Arbeit in ein besseres Filmreview zu stecken, das, finde ich, keinen so guten Job macht wie meine Videos zu Brooklyn 99 und Annihilation, auch über das besprochene Werk hinaus interessant zu sein. Ich hatte mich in den letzten Jahren bewusst etwas von Kulturkritik entfernt, und die Arbeit an diesem Video hat mich daran erinnert, warum: Schnell fragt man sich, für wen außer bestenfalls andere Kritiker das ganze überhaupt interessant sein soll, wenn es nicht irgendwie auch um Ideen geht, die größer sind als ein Film, eine Serie, ein Videospiel.4Tatsächlich habe ich zum Jahresanfang ein paar solcher „besseren Filmreviews“, an denen ich die letzten Monate des Jahres gearbeitet hatte, von meiner Agenda gestrichen. Darin muss ich auch ein Bisschen besser werden: Projekte wählen, die ich tatsächlich zu Ende bringen werde, anstatt erst nach halb erledigter Arbeit zu entscheiden, dass mich das Thema doch nicht so interessiert. Ich weiß nicht, ob dieses Update da das beste Omen ist.

Nicht, dass Kulturkritik in meiner Arbeit keine Rolle mehr spielen wird, all diese Ideen haben ja auch ein kulturkritisches Element; aber das klassische „Ich fange mit einem spezifischen Film, Spiel oder Buch an und dann weitergucken“-Ding werde ich in näherer Zukunft eher in spontaneren, kürzeren Videos oder Texten machen.5Zumindest ist das gerade der Plan, wer weiß, was ich dieses Jahr so interessantes sehe, lese und spiele. Die Zeit bis zu und zwischen größeren Projekten will ich weiterhin (und verstärkt) mit genau solchen spontanen, kurzen Videos füllen. Back-to-back mit dem Only-Connect-Video habe ich eine Kleinigkeit zu Spotlight aufgenommen, mal sehen, ob ich das diesen Monat noch fertig kriege; ich weiß, dass „dieser vier Jahre alte Oscargewinner für den Besten Film ist ziemlich gut“ jetzt nicht gerade ein Hottake ist, aber immerhin ist es kein semi-kohärentes Riff über obskure britische Gameshows, oder? Oder?

Ich hab noch Notizen zu ungefähr 12 anderen Projekten, und Ideen für 13 weitere, aber das ist, wovon ich derzeit die größten Chancen sehe, dass es tatsächlich in absehbarer Zeit existieren wird, alles weitere dann, wenn es soweit (oder mir danach) ist. Wie angedeutet, nehme ich in den Kommentaren gerne Feedback oder Vorschläge für weitere Themen an, das ich dann vielleicht umsetze, vielleicht nicht, aber das gilt ja für absolut alles erwähnte.

Ich hoffe, euch dieses Jahr ein Bisschen öfter mit Updates und exklusiven Inhalten versorgen zu können, das habe ich letztes Jahr wirklich vernachlässigt. Danke6…besonders an diejenigen von euch, die nicht mit mir verwandt sind., dass ihr mir das nachgesehen habt.


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