Jane Austen für den Millennial Moment: Sally Rooneys Normal People

Written by Going Steady, Text

Greeted as the First Great Millennial Author“, beschrieb die New York Times Sally Rooney letztes Jahr in der Überschrift eines Profils, eine einigermaßen wütend machende Formulierung: Unabhängig von der Argumentation des Artikels selbst spielt diese Überschrift natürlich mit dem Klischee von Millennials als einer Generation fauler Underachiever – dass noch niemand aus dieser Generation außer Rooney ein brauchbares Buch geschrieben hat, ist nicht die These des Artikels, aber es wäre naiv, zu glauben, dass dem zuständigen Redakteur nicht bewusst war, dass die Überschrift eine bestimmte Art von Leser in diesen Vorurteilen bestätigen, und eine andere Art von Leser provozieren würde. Zum Beispiel mich, und das hat gut genug funktioniert, dass ich Rooneys Normal People, muss ich zugeben, ein Bisschen auch in der Hoffnung gelesen habe, es scheiße finden und mich über die Ignoranz von New-York-Times-Redakteuren empören zu können. „Leider“ ist Rooney halt wirklich so gut, und „leider“ ist sie, wenn sicher nicht die erste Autorin dieser Generation, die ein gutes Buch geschrieben hat, wirklich so etwas wie die nächste Evolution in Sachen „Fiktion von Millennials, für Millennials“. Oder zumindest wäre sie das in einer gerechten Welt.

Normal People ist eine moderne comedy of manners, ein – ich bin nicht der erste, der diesen Vergleich bringt, aber wenn’s halt passt – Jane-Austen-Roman für den millennial moment. Es geht um Marianne und Connell, die sich zu Schulzeiten kennenlernen und über ihre Schul- und Uni-Jahre in Dublin eine On-/Off-Beziehung führen. Die beiden gehören unterschiedlichen sozialen Schichten an – Connells Mutter arbeitet als Putzfrau für Mariannes -, und integrieren sich unterschiedlich gut in ihre verschiedenen Milieus: Ist Marianne zu Schulzeiten noch so unbeliebt, dass Connell die Beziehung geheim hält, ist Connell in der Uni sozial so isoliert, dass er in eine Depression fällt, während Marianne aufzublühen scheint. Und beide – und hier fängt Rooney die Mentalität großer Teiler ihrer Generation besonders scharfsinnig ein – sind schon bevor ihr eigenes, erwachsenes Leben beginnt desillusioniert, überzeugt, dass ihnen all das, was für ihre Eltern selbstverständlich war, n…