Written by Drafts

»The Problem Solving of Filmmaking« —— Video-Essay von Shazam!-Regisseur David F. Sandberg

Eine meiner liebsten Anekdoten übers Filmemachen steht in der Einleitung zu Sidney Lumets Making Movies: »I once asked Akira Kurosawa why he had chosen to frame a shot in Ran in a particular way.«, schreibt Lumet. Kurosawas Antwort? Hätte er die Kamera nur ein Stück weit nach links bewegt, wäre ein Sony-Gebäude im Bild gewesen; ein Stück weit nach rechts, und man hätte den Flughafen gesehen —— »neither of which belonged in a period movie«.

Ich mag die Geschichte, weil sie eine simple Wahrheit illustriert, die wir, in unserem Hochkulten des »Auteurs«, allzu oft vergessen: Egal, wie akribisch ein Regisseur storyboardet, wie klar seine Vision ist, am Ende bedeutet Filmemachen immer auch ganz praktisches, momentäres Lösen von Problem; das, was wir am Ende auf der Leinwand sehen, ist —— egal, wie visionär das Genie dahinter —— immer auch Ergebnis von Improvisation, vom Kitten von Rissen, von egal, wir lassen das jetzt so. Und vielleicht zeigt sich wirkliches Genie genau darin, darin, dass jemand das Beste macht aus dem, was ihm an diesem Tag, in diesem Moment gegeben ist —— ich will hier nicht die alte Anekdote des kaputten animatronischen Hais in Jaws entstauben, aber…nun, ich schätze, das habe ich gerade trotzdem gemacht.

Aus demselben Grund, aus dem ich Lumets Anekdote mag, mag ich auch dieses Video von Shazam!-Regisseur David F. Sandberg, der als YouTuber ponysmasher bekannt wurde. Shazam! ist ein Film, den ich noch bevor er zu Ende ging weitestgehend vergessen habe, aber Sandbergs Schilderungen einiger praktischer, lapidarer, aber halt trotzdem irgendwie nicht unwichtiger Probleme, die er beim Dreh zu lösen hatte —— wie die Frage, wann und warum seine Figuren sich die Winterjacken anziehen, die sie im Finale des Films tragen ——, sagt mehr über die Realität des Filmemachens als viele halbstündige Behind-the-Scenes-Dokus, und sein Zugeben, dass manche Idee, die Zuschauer im Film gesehen zu haben glauben, mehr Produkt des Zufalls als einer großen Vision sind, ist grundsympathisch.